Was hat Wachstum mit unserer gesicherten finanziellen Vorsorge zu tun?

Wir können es uns nicht aussuchen, ob wir Wirtschaftswachstum wollen oder nicht. Das kapitalistische Geld- und Wirtschaftssystem muss wachsen, damit es stabil bleibt – und zwar mindestens in der Höhe des Zinsniveaus. Für unsere finanzielle Vorsorge und die Alterssicherung ist Wachstum ebenfalls nötig. Steigende Zinslasten drängen die Staaten nun immer mehr in die Verschuldung – mit fatalen Folgen.

Der Marsch in die Verschuldung

Wächst die Wirtschaft, steigen auch die Zinseinkünfte. Sie sorgen dafür, dass das Vermögen der “Nettozinsgewinner” immer mehr wächst. Das aber hat eine nicht zu unterschätzende Kehrseite. Erzeugt wird ein Wachstumszwang – und der erscheint alternativlos. Denn wenn die Zinseinkünfte angelegt werden, wachsen mit den anwachsenden Geldvermögen auch die Zinsforderungen. Diese können aber nur beglichen werden, wenn es zusätzliche Wertschöpfung gibt. Aber das ist schon lange nicht mehr der Fall.

Stattdessen sind viele Staaten dazu übergegangen, wachsende Zinsforderungen mit zusätzlichen Krediten zu bezahlen. Da diese ebenfalls verzinslich sind und irgendwann bedient werden müssen, setzt eine regelrechte Verschuldungsspirale ein. Sinkt nämlich die Rate beim Wachstum, dann bleibt dem Staat nichts anderes übrig, als Zinszahlungen zunehmend aus Primärüberschüssen zu generieren. Gelingt ihm das nicht, folgt eine Neuverschuldung und eine Ausweitung der Schuldenquote. Mit höheren Steuern und sinkenden Ausgaben dagegen versucht man, einem zu geringen Primärüberschuss beizukommen.

Warum wir Wachstum brauchen

Als zentrale Lösung für alle ökonomischen und sozialen Probleme gilt ein gesundes Wirtschaftswachstum. Es sorgt nicht nur dafür, dass der Wettbewerbsdruck und die Konzentration von Vermögen eingedämmt werden. Durch Wachstum steigen die verfügbaren Einkommen und damit auch die finanzielle Freiheit aller. Wachstum hat viel mit einer gesicherten materiellen Vorsorge zu tun und damit auch mit unser aller Alterseinkommen. Steigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real, dann wächst auch der Wert der Güter und Dienstleistungen im Land.

Außerdem senkt Wachstum die Arbeitslosigkeit und erhöht die Beschäftigung. Diesen Zusammenhang hat auch die Politik erkannt. Nicht umsonst gehört die Beschäftigung zu den fünf Kernzielen von “Europa 2020”, das ist die europäische Wachstumsstrategie. Die Beschäftigung steigt immer dann, wenn die Wirtschaft stärker wächst als die Arbeitsproduktivität.

Keine Wende bei den Zinsen

Dass mit dem Wachstum auch die Zinsen steigen, ist nur wenigen bekannt. Doch Fakt ist, dass die Renditen von Staatsanleihen in etwa dem nominalen Wachstum beim BIP entsprechen sollten. Dabei ist es ausgerechnet die Europäische Zentralbank, die auf der Zinsbremse steht. Zwar ist allenthalben die Rede von einer Zinswende – zu sehen ist sie nirgendwo. Stattdessen geht der Wahnsinn bei der EZB weiter. Um zu verhindern, dass durch einen zu hohen Geldumlauf (Liquidität) auch nur der Hauch eines Zweifels am Wert der Währung entsteht, müsste eine Zentralbank eigentlich versuchen, auch für den Fall einen positiven Zins zu erhalten, wenn das Wirtschaftswachstum gegen Null geht.

Stattdessen setzt die EZB auf die monetäre Staatsfinanzierung. Das aber ist verboten. In der freien Wirtschaft nennt man so etwas InsolvenzverschleppungVersprochen wurde uns, dass das irrsinnige Aufkaufprogramm bei Staatsanleihen durch die EZB eigentlich letztes Jahr enden sollte. Doch nun geht es noch mindestens bis zum Herbst weiter; zwar nur noch mit 30 Millionen Euro monatlich – aber immerhin.

Ist das noch freie Marktwirtschaft? Machen Sie sich Ihr eigenes Bild – und ziehen Sie die Konsequenzen für Ihr Geld. Es geht um Ihre finanzielle Unabhängigkeit.

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