Werden die Schulden Italiens zum neuen Hauptproblem Europas?

Für viele gilt die Euro-Schuldenkrise seit langem als beendet. Doch der Schein trügt. Während gerade Griechenland auch weiterhin den traurigen ersten Platz in Sachen Staatsverschuldung relativ zum BIP einnimmt, ist vor allem Italien das neue Sorgenkind der EU-Kommission. Doch wie steht es wirklich um die Situation in Europa bzw. insbesondere Italien? Steht wir vor einer Neuauflage der Bankenkrise?

Die aktuellen Schulden der EU
Selbst mehr als nahezu ein Jahrzehnt nach dem Ausbruch der Eurokrise nimmt die Verschuldung in Europa weiter zu. Deutschland ist eines der wenigen Länder, die aktiv am Schuldenabbau arbeiten, während andere Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich stetig neue Kreditsummen ansammeln. Relativ zum BIP gesehen ist Griechenland auch weiterhin Spitzenreiter beim Verschuldungsgrad. Mit 177 Prozent lässt es auch den Zweitplatzierten Italien mit 133 Prozent deutlich hinter sich (zum Vergleich: Deutschland liegt derzeit bei einer Quote von rund 71 Prozent).

Italien als neues Sorgenkinde Europas?
Bedingt durch die hohe Schuldenbelastung, verkündete die EU-Kommission erst kürzlich, Italien unter verschärfte Beobachtung zu stellen. Trotz günstiger Kredite seitens der EZB sei keine Reduzierung der Schuldenlast zu erkennen. Auch wenn das Haushaltsdefizit sich inzwischen normalisiere (es liegt nun wieder unter der Vorgabe von maximal drei Prozent der Wirtschaftsleistung), habe das Land immer noch stark unter gleich mehreren Bankenpleiten der letzten Jahre zu leiden. Vor allem die Italienische Bevölkerung trifft die aktuelle Situation besonders hart, da wichtige Investitionen aufgeschoben werden müssen und damit der Handlungsspielraum des Staates sinkt. Für das folgende Jahr sei nun eine Reduzierung der Verschuldung auf etwa 131 Prozent das Ziel. Im Frühjahr 2018 plane die EU-Kommission eine weitere Überprüfung, ob Italien sich auf dem richtigen Weg befinde.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch. So wächst auch die Italienische Wirtschaft im aktuellen Jahr voraussichtlich um mehr als ein Prozent und auch die Prognose für die Zukunft sieht gut aus. Gleichzeitlich gelang es der südeuropäischen Nation sogar Deutschland in Sachen Export-Wachstum zu schlagen. Mit fünf Prozent gehören sie zu den Spitzenreitern.

Waren die gravierenden Gefahren einer hohen Verschuldung schon lange bekannt?
Trotz einiger positiver Signale, muss die Gesamt-Situation jedoch auch weiterhin als kritisch angesehen werden. Erschreckend ist es auch, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts der deutsche Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky treffend feststellte: “Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen.” Dieser Satz deutet darauf hin, dass schon zur damaligen Zeit die Gefahren einer hohen Abhängigkeit von Krediten bekannt waren. In dem Lichte betrachtet, ist die heutige Staatsverschuldung – insbesondere von Südeuropäischen Ländern – besonders erschreckend. Es stellt sich gleichzeitig die Frage, ob es nicht noch weitere Probleme gibt, denen sich die Mehrheit heute gar nicht bewusst ist? Vielleicht sind wir sogar gerade jetzt dabei, das Fundament für die nächste Krise zu legen – vergleichbar mit der hohen Neuverschuldung in vergangenen Jahrzehnten?

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